Der Ursprung des Hapkido liegt unter nebulösen Wolken verborgen. Dies begründet sich u. a. durch die koreanische Mentalität. Während es für Japaner eine Ehre ist, ihre Herkunft auf große Meister zurückzuführen und sie deshalb immer detailliert ihren Stammbaum angeben, ist dieses für Koreaner nur von geringer Bedeutung. Beispielhaft hierfür bat ich einen koreanischen Großmeister, dem ich mein Interesse für die Hapkido-Geschichte verdeutlichte, seinen Werdegang für eine Veröffentlichung darzustellen und er entgegnete mir nur: „Nicht an die Vergangenheit denken, an die Zukunft denken.“

Koreanische Budosportler trainieren in der Regel bis zum Dan bei einem Meister und studieren dann weiter bei anderen Meistern. Ab dem 6. Dan können sie dann eine eigene Schule gründen. Wie mir meine koreanische Sprachlehrerin sagte, haben Koreaner zudem alle den Wunsch, sich selbstständig zu machen und etwas eigenes zu schaffen, ob als Unternehmer, Handwerker oder Mudosportler. Deshalb gibt es unzählige Hapkido-Systeme. Wenn also jemand bei Meister A seinen Schwarzgurt erlernt und dann bei Meister B, C und D weiter trainiert hat, gründet er ab 6. Dan eine eigene Schule, rekapituliert für sich seinen Werdegang und stellt z.B. fest: „Meister C war für mich der Wichtigste.“ Also proklamiert er ab jetzt für sich: „Ich bin Schüler von Meister C.“ Die anderen Trainer werden nicht mehr erwähnt.

Die Artikel dieser Serie sind mit meinem besten Wissen und Gewissen geschrieben, trotzdem wäre ich für etwaige Richtigstellungen dankbar. Mein besonderer Dank gilt Großmeister Dr. hist He-Young Kimm, mit dem ich lange, manchmal bis weit in die Nacht reichende Gespräche über die Hapkido-Geschichte führen durfte.

Detlef Klos
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