Kim Sou-Bong – Der europäische Vater

 
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Kim Sou Bong 2002 in Bochum

Diese Folge widmet sich Kim Sou-Bong, dem ersten Hapkidolehrer, der in Deutschland lebte und Hapkido auch als erster im europäischen Umland bekannt machte.

Im Zeichen des bundesdeutschen Wirtschaftswunders wurden aufgrund des Arbeitskräftemangels ab 1960 in zahlreichen Ländern Arbeitskräfte angeworben. In den ersten Jahren waren es vor allen Dingen Italiener, aber auch Kräfte aus nichteuropäischen Ländern wie Krankenschwestern von den Philippinen und Arbeiter aus Korea. So kamen 1965 auch eine Handvoll koreanische Männer ins Ruhrgebiet, die als Bergleute zum bundesdeutschen Boom beitrugen. Unter ihnen befanden sich auch einige, die in Korea Kampfsport wie Hapkido und Taekyon gelernt hatten und deren Bestreben es war, ihr Training hier weiterzuführen. Dies fand zu Beginn im Kreise ihrer Landsleute im Keller ihrer Unterkunft statt. Dabei war Kim Sou Bong der führende Hapkidoin, welcher in Korea Schüler von Myung Kwank-Sik und Ji Han-Jae gewesen war. Von diesen Übungsstunden erfuhren in Gesprächen auch einige deutsche Bergleute, die im Oberadener Sportverein Judo betrieben, die derzeit einzige verbreitete Kampfkunst.

Diese deutschen Sportler, unter ihnen auch Klaus Stöckner, Judodanträger, (gest. 2003) und Karl-Heinz Kickuth (gest. 2005) begannen jetzt, bei Kim Sou-Bong Unterricht zu nehmen, anfangs in deren Unterkunft, später in einem Saal, da sich die Gruppe kontinuierlich vergrößerte. Durch die Unterstützung der Judosportler, insbesondere von Anton Greven und Klaus Stöckner, gelang es, in verschiedenen Judovereinen Hapkidolehrgänge durchzuführen. Klaus Stöckner war der erste Deutsche, der 1968 bei Kim Sou-Bong die Prüfung zum ersten Dan bestand. Noch im gleichen Jahr ging Kim Sou-Bong nach Ablauf seines Arbeitsvertrages, da dieser für Gastarbeiter nur für drei Jahre abgeschlossen wurde, in die USA, wo er unter anderem das FBI unterrichtete.

1970 kehrte Kim nach Deutschland zurück und gründete in Düsseldorf seine eigene Schule. Durch Vermittlung des bekannten Dortmunder Judopioniers Anton Greven wurde im Nordrhein Westfälischen Judo Verband eine Sektion Hapkido gegründet, in der Kim zum Landestrainer ernannt wurde. In dieser Funktion hielt er zahlreiche Lehrgänge ab und verbreitete Hapkido vor allen Dingen im Raum Dortmund und Bochum.. Da aber zu dieser Zeit der NWJV ein reiner Amateurverband war, hatte die Verbandsführung Probleme mit der gleichzeitigen Funktion Kims als Landestrainer und Besitzer einer kommerziellen Schule. Deshalb kam es 1973 zur Trennung. 

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Kim Sou Bong 1972

Bereits 1972 fand in Österreich ein Sommerlehrgang des JIU JITSU-Verbandes Österreich statt. Hierzu waren viele Teilnehmer aus allen Kampfkunstsparten geladen. Dort stellte Kim Sou-Bong Hapkido vor. Anschließend fanden in Graz Wochenendlehrgänge statt. Im Dezember 1973 wurde Hapkido offiziell statt JIU JITSU im damaligen AiDoKan-Verein eingeführt. Das Training fand in einem Kellerraum in der Kernstockgasse statt. Hier konnte man täglich trainieren und selbst an den Wochenenden fanden sich begeisterte Anhänger zum freiwilligen Training. Bereits im Mai 1974 wurde die erste Gürtelprüfung in Graz abgenommen. Die Prüfungen wurden alle von Kim Sou Bong, der in Düsseldorf lehrte, durchgeführt und der seinen Aufenthalt in Graz mit Lehrgängen für die Schüler verband. Zur Ergänzung reisten einige von ihnen für mehrere Wochen im Jahr nach Mühlheim a.d. Ruhr und später nach Düsseldorf, um dort an Ort und Stelle zu lernen. Neben den normalen Trainingseinheiten kamen viele Wochenendlehrgänge dazu, die den Lernprozess beschleunigten. Am 30. August 1980 legte der Grazer Ewald Pilz in Düsseldorf als erster Österreicher die HAP KI DO - Meisterprüfung ab. 

Kim hielt in diesen Jahren auch die ersten Hapkidolehrgänge in den Benelux Ländern ab und machte diese Kunst dort auch bekannt. Als sein Hauptverdienst für Hapkido gelten eine Basislehrmethode und eine Systematisierung der Vielzahl von Techniken. 1976 schrieb er auch das erste deutsche Hap Ki Do Buch (Kim Sou Bong: Hap Ki Do - Grundlagen und Techniken der koreanischen Selbstverteidigung. Falken-Verlag. Völlig überarbeitete Neuauflage: Hap-Ki-Do - Koreanische Selbstverteidigung nach dem Lehrsystem des Großmeisters. Falken-Verlag, 1994.)


Bis zu seinem Tod betrieb Kim Sou Bong sehr erfolgreich eine Sportschule in Düsseldorf und lehrte bereits seit 1968 sein eigenes System des Hapkido, welches von ihm kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Er war Begründer des internationalen Hapkido-Dankollegiums (Düsseldorf) und der europäischen Hapkido-Verbände. Sein System des Hapkido ist das Ergebnis seiner vielen unterschiedlichsten Erfahrungen und Erlebnisse.

Meister Kim Sou-Bong verstarb am 4.8.2011 nach langer, schwerer Krankheit.

Detlef Klos

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